VIOMAK:
Garai makagadzirira |
GRACE
Sie war wunderschön. Nein, schön kann man eigentlich gar nicht
sagen, sie war interessant. Aber auch das ist eine falsche Behauptung.
Sie war einfach so, dass ich sie immer anschauen musste. Sie war groß
und schlank, immer mit einem schneeweißen Kopftuch, (obwohl sie
sicher nichtwusste, was Schnee ist), mit einem grünen Kleid und einer
weißen Schürze. Die Bändel der Schürze haben ihre
schlanken Taille betont, obwohl die Bändel gar nicht fest zugezogen
waren, eher locker hingen, nur gerade so, dass die Schürze nicht
runter fallen konnte.
Sie war sehr traurig in den ersten Tagen auf der Ranch, welche zwei Autostunden
Fahrt von Harrare in Zimbabwe lag.
Sie versuchte zu lächeln, aber es war ein trauriges Lächeln,
wahrhaftig. Die schönen, breiten Lippen zauberten einen Liebreiz,
welches so flüchtig war, wie eine zarte Berührung eines Schmetterlings
an einer Blume. Die Augen waren so traurig, die schönen runden,schwarze
Augen. Ich fühlte ihre tiefe Traurigkeit, ich sah in den Augen, ich
sah in ihre Seele hinein -endlos. Es lagen viele Schätze darin, mit
unendlich vielen Geheimnissen. Es lag ein Wissen in ihrer Seele, eine
Weisheit, obwohl sie nie eine Schule besucht hat.
Sie war was Besonderes. Sie hatte etwas madonnenhaftes an sich. Und Ihr
Gesicht wechselte vonSekunde zur Sekunde, und man konnte alles lesen darin.
Ihr Gesicht war wie eine Landschaft, wo die Sonne scheint, dann überfliegt
ein Gewitter die Landschaft, und in der nächste Sekunde scheintwieder
die Sonne.
Es war eine Landschaft wie in der Nacht, dunkel, wo viele Sterne und der
Mond der Landschaft dasLicht schenken, und wenn alles endlich schön
ruhig war, wenn sogar die Vögel schliefen, schon jagte die Nacht
den Tag weg und Grace, ihr Gesicht strahlte in ihrer schönen Schokoladenbräune,
die zu dem weißen Tuch so ein Kontrast bildeten, wie wenn Ihr Gesicht
von dem Tuch entspringenwollte.
Die Grace. Alle die Stimmungen und die Gedanken die ich in ihrem Gesicht
lesen konnte, sind mirvertraut. Alle wohnen in mir. Vielleicht gerade
deswegen faszinierte sie mich, da ich meineGedanken, Stimmungen, Schmerzen
und Sehnsüchte, das Unerkennbare, die Fragen, dieZärtlichkeit
und auch die Wut, den Stolz und die Bescheidenheit, die Heiterkeit, das
Leben und denTod, alles lag in ihrem Gesicht und ich konnte es lesen und
meinen verborgenen Gefühlen begegnen.
Grace hat zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Beide Kinder
gehen noch nicht zur Schule. Sie ist abhängig von dem weißen
Farmer, der Sie als Köchin beschäftigt. Ihr Verdienst liegt
bei 3,20 Euro im Monat. Ihr Mann verdient das gleiche Gehalt bei dem gleichen
Farmer. Sie bewohnenein kleines Häuschen, welches sie von dem Farmer
gestellt bekommen hat. In Afrika ist das Ziegelhäuschen ein Luxus.
Die Feuerstelle vor dem Haus ist die Küche. Sie teilen sich mit den
Bewohnern von weiteren fünf Häusern eine Dusche. Eines Abends
beim Abendessen, hat unser Gastgeber gesagt: „ Ich muss die Grace
fragen, die hat so abgenommen, hoffentlich hat Sie kein Aids.“ Ich
weiß nicht wie alt Grace ist. Manchmal sah sie wie eine alte Frau
aus, so weise, manchmal wie ein Kind. Das Durchschnittsalter in Zimbabwe
ist 34-36 Jahre.
Hoffentlich hat sie kein Aids.
Eliska Bartek 2006
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